{"id":9643,"date":"2021-09-03T16:22:42","date_gmt":"2021-09-03T16:22:42","guid":{"rendered":"https:\/\/profi-tutorials.de\/linux\/?p=9643"},"modified":"2021-09-08T10:40:14","modified_gmt":"2021-09-08T10:40:14","slug":"linux-betriebssystem-wird-30-jahre-alt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/profi-tutorials.de\/linux\/grundlagen\/linux-betriebssystem-wird-30-jahre-alt\/","title":{"rendered":"Das Linux-Betriebssystem wird 30 Jahre alt"},"content":{"rendered":"<p>Linux feiert am 25. August 2021 einen seiner vielen Geburtstage &ndash; vor 30 Jahren, am 25. August 1991 verk&uuml;ndete Linus Torvalds seine Arbeit an einem freien Kernel erstmals einer breiten &Ouml;ffentlichkeit. In einer Mail an eine Minix-Newsgroup verwendete er die bekannten <a class=\"glossaryLink cmtt_Allgemein cmtt_Informatik\" aria-describedby=\"tt\" data-cmtooltip=\"&lt;div class=glossaryItemTitle&gt;Wort&lt;\/div&gt;&lt;div class=glossaryItemBody&gt;Ein Wort ist in der Informatik eine endliche Folge &uuml;ber einem Alphabet.&lt;\/div&gt;\" href=\"https:\/\/profi-tutorials.de\/linux\/glossar\/wort\/\" target=\"_blank\" data-mobile-support=\"0\" data-gt-translate-attributes='[{\"attribute\":\"data-cmtooltip\", \"format\":\"html\"}]' tabindex=\"0\" role=\"link\">Worte<\/a>: &ldquo;[&hellip;] I&rsquo;m doing a (free) operating system (just a hobby, won&rsquo;t be big and professional [&hellip;]&rdquo;. Linux hat jedoch auch noch weitere Geburtstage, wie etwa den 17. September 1991, als Torvalds den Quellcode der ersten Version seines Kernels online stellte. Eine richtige Ank&uuml;ndigung gab es jedoch erst mit dem Release Linux 0.0.2, welches am 5. Oktober 1991 ver&ouml;ffentlicht wurde. Heute z&auml;hlt der Linux-Kernel zu den wichtigsten St&uuml;tzpfeilern der Software-Welt. Vor diesem Hintergrund ist es kaum verwunderlich, dass derzeit an zahlreicher Stelle &uuml;ber dieses Jubil&auml;um berichtet wird &ndash; etwa auf den Webseiten&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/hintergrund\/Zahlen-bitte-Linux-ist-zum-30-Geburtstag-31-479-666-Zeilen-schwer-6173229.html\" target=\"_blank\" style=\"outline: none;\" rel=\"noopener\">Heise.de<\/a>&nbsp;oder&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.golem.de\/news\/linux-zum-30-geburtstag-ist-kernel-5-14-fertig-2108-159215.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Golem.de<\/a>.<\/p>\n<h2>Entwicklungstempo und Umfang<\/h2>\n<p>Zum Zeitpunkt des 25. August 2021 umfasst der Kernel &ndash; mitsamt aller Dokumentationen, Kommentare, Build-Skripte und so weiter &ndash; etwa 31.479.666 Zeilen. W&auml;hrend im letzten Jahr mit jeder neuen Version circa 385.000 Zeilen hinzu kamen, wuchs der Kernel in den letzten 5 Jahren insgesamt um fast 10 Millionen Zeilen &ndash; mit diesem Wachstum d&uuml;rfte selbst Torvalds vor 30 Jahren kaum gerechnet haben. Der Erscheinungsrhythmus betrug seit der im M&auml;rz 2012 erschienenen Linux-Version 3.3 fast immer neun oder zehn Wochen. Werden jedoch das Entwicklungstempo sowie der Umfang neuer Releases betrachtet, so f&auml;llt auf, dass diese in den letzten Jahren stetig gestiegen sind. Im Vergleich zu den sechs Releases vor dem 25. Geburtstag, in welche jeweils etwa 13.750 &Auml;nderungen integriert wurden, kommen derzeit etwa 16.250 Commits auf ein Release. Unter Betrachtung des gesamten Entwicklungszeitraums entspricht dies 10.4 &Auml;nderungen pro Stunde! Der Umfang neuer Versionen betrug bei den letzten sechs Versionen knapp 685.000 Zeilen &ndash; auch dieser steigt stetig, wenn auch weniger steil.<\/p>\n<h2>Entwickler<\/h2>\n<p>An der Entwicklung der Linux-Version 5.13 haben erstmals mehr als 2.000 verschiedene Entwickler mitgearbeitet. Es handelt sich dabei insbesondere um Freiwillige. Auswertungen der Linux Foundation zufolge setzen sich die Mitwirkenden aus etwa 12 Prozent Hobbyentwicklern und 84 Prozent Entwicklern, die im Auftrag ihrer Arbeitgeber an Linux mitarbeiten, zusammen. Insbesondere letztere geh&ouml;ren auch zu den Entwicklern, die kontinuierlich dabei sind und in letzten Releases immer wieder etwas beigetragen haben. Die Linux Foundation selbst hat neben Linus Torvalds und seiner rechten Hand Greg Kroah-Hartman nur wenige Kernel-Entwickler auf der Lohnliste. Entsprechend zersplittert ist auch der Entwicklungsprozess &ndash; viele Arbeiten m&uuml;ssen von anderen Organisationen und Open-Source-Projekten &uuml;bernommen werden. Auch im Bereich Sicherheit fehlt es an Entwicklerressourcen. Der Kernel-Entwickler Kees Cook erl&auml;uterte dies erst Anfang August <a href=\"https:\/\/security.googleblog.com\/2021\/08\/linux-kernel-security-done-right.html\" target=\"_blank\" style=\"outline: none;\" rel=\"noopener\">in einem Blog-Beitrag<\/a>.<\/p>\n<h2>Kernel Version 5.14<\/h2>\n<p>Passend zum Jubil&auml;um ist der neue Linux-Kernel der Version 5.14 am 29. August erschienen. Linus Torvalds nutzte die Chance und sprach direkt zu Beginn der&nbsp;<a href=\"https:\/\/lore.kernel.org\/lkml\/CAHk-=wh75ELUu99yPkPNt+R166CK=-M4eoV+F62tW3TVgB7=4g@mail.gmail.com\/T\/#u\" target=\"_blank\" style=\"outline: none;\" rel=\"noopener\">Release-Notes<\/a> auf das Ereignis an: &ldquo;Mir ist klar, dass ihr alle noch mit den Galas, schicken B&auml;llen und all den anderen Veranstaltungen zum 30. Jahrestag besch&auml;ftigt seid, aber irgendwann habt ihr sicher genug von dem st&auml;ndigen Glitzer, dem Feuerwerk und dem Champagner. Ballkleid oder Frack sind auch nicht gerade das Bequemste, was es gibt. Die Feierlichkeiten werden noch ein paar Wochen weitergehen, aber vielleicht k&ouml;nntet ihr alle einfach mal eine Verschnaufpause von ihnen gebrauchen.&rdquo; Die Ver&ouml;ffentlichung eines neuen Kernels &ldquo;zum Ausprobieren und sich daran Freuen&rdquo; sei genau das Richtige f&uuml;r eine solche Verschnaufpause. Der Kernel 5.14 sei da und warte nur darauf getestet zu werden und daran zu erinnern, &ldquo;worum es bei den Feierlichkeiten eigentlich geht&rdquo;. Torvalds f&auml;hrt damit fort, dass die &ldquo;armen, unerm&uuml;dlichen Kernel-Maintainer&rdquo; nat&uuml;rlich keine Zeit f&uuml;r die Feierlichkeiten haben, denn das Release bedeute f&uuml;r sie lediglich den Beginn des Merge-Fensters am n&auml;chsten Morgen &ndash; schlie&szlig;lich m&uuml;sse sich jemand um die n&auml;chsten 30 Jahre k&uuml;mmern. &ldquo;Aber f&uuml;r den Rest von euch, atmet durch, baut einen Kernel, testet ihn, und dann k&ouml;nnt ihr euch zur&uuml;ck zu der scheinbar endlosen Party begeben, aus der ihr sicher gerade herausgekrochen seid.&rdquo;, schreibt Torvalds zum Abschluss.<\/p>\n<p>Die Neuerungen im Kernel-Release 5.14 umfassen unter anderem Core-Scheduling, geheime Speicherbereiche und sicheres Hyperthreading. Des Weiteren wurde das alte IDE-Treibersystem, welches bereits seit Linux 5.2 als veraltet gilt, komplett aus Linux entfernt. Das sogenannte Core-Scheduling ist nach &uuml;ber drei Jahren Entwicklungszeit im Mainline-Kernel angekommen und adressiert ein konzeptionelles Problem beim Hyperthreading moderner Prozessoren. Da die Hardware-Threads beim Hyperthreading Komponenten des Prozessor-Cores gemeinsam nutzen, kann ein b&ouml;sartiger Prozess auf einem Thread &Auml;nderungen, wie etwa an den Daten anderer Threads, aus dem Prozessor-Cache-Speicher auslesen. Die 2018 entdeckten Spectre-Angriffe setzen an dieser Stelle an &ndash; bislang blieb nur die Deaktivierung von Hyperthreading als sicherer Ausweg. Mit dem Core-Scheduling k&ouml;nnen ausschlie&szlig;lich solche Prozesse gemeinsam in einem Hardware-Thread laufen, die durch &ldquo;Cookies&rdquo; als zueinander geh&ouml;rig markiert wurden. Weitere Vorteile des Core-Scheduling finden sich auch in der Echtzeitverarbeitung: Echtzeitprozesse k&ouml;nnen &uuml;ber dedizierte Cookies etwa einzelnen Prozessor-Cores fest zugeteilt werden.<\/p>\n<p>Nach rund zwei Jahren Entwicklungszeit ist au&szlig;erdem auch der neue System-Call memfd_secret() im Mainline-Kernel angekommen. Die vorerst standardm&auml;&szlig;ig deaktivierte Funktion erlaubt Userspace-Prozessen die Schaffung eines geheimen Speicherbereichs, welcher von keinem anderen Teil des Systems einsehbar ist. Ein solcher Speicherbereich k&ouml;nnte etwa zur Ablage von kryptographischen Schl&uuml;sseln oder Passw&ouml;rtern eingesetzt werden.<\/p>\n<p>N&auml;here Informationen zu den &Auml;nderungen im Release sind in den <a href=\"https:\/\/cdn.kernel.org\/pub\/linux\/kernel\/v5.x\/ChangeLog-5.14\" target=\"_blank\" style=\"outline: none;\" rel=\"noopener\">Change-Logs zu Linux 5.14<\/a> sowie auch in einem <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Linux-5-14-mit-geheimem-Speicher-und-sicherem-Hyperthreading-6179070.html\" target=\"_blank\" style=\"outline: none;\" rel=\"noopener\">ausf&uuml;hrlichen Beitrag von Heise.de<\/a> zu finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Linux feiert am 25. August 2021 einen seiner vielen Geburtstage &#8211; vor 30 Jahren, am 25. August 1991 verk\u00fcndete Linus Torvalds seine Arbeit an einem freien Kernel erstmals einer breiten \u00d6ffentlichkeit. 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